Hallo, bei der Marquise von O... geht es ja um die Doppelmoral. Ist damit nur die Doppelmoral des Grafen von F gemeint? Also dass er die anderen Soldaten von der Marquise vertreibt, sie dann aber (im verborgenen) selbst vergewaltigt.
Gibt es noch andere Sachen, die auf die Doppelmoral zutreffen?
Gibt es noch andere Sachen, die auf die Doppelmoral zutreffen?
Als Heinrich von Kleists Novelle Die Marquise von O…. 1808 erstmals in der Literaturzeitschrift Phöbus erschien, zeigten sich Leser und Kritiker zumeist schockiert. Keine ehrbare Frau, so hieß es, könne das ohne Erröten lesen. Dabei war die Story damals im Grunde Alltag: Fremde Truppen erobern ein Land, die Eroberer vergewaltigen die Frauen, die Frauen werden schwanger, Ende der Geschichte. Natürlich redete man nicht darüber, denn Sex und Erotik waren des Teufels, und wer schwanger wurde, war selber Schuld.
Kleist kritisiert in dieser Novelle die Doppelmoral der bürgerlichen Gesellschaft, die ihren eigenen Ansprüchen von Sitte und Anstand nicht gerecht wird.
Zur Taufe wird der Graf aufgrund seines guten Betragens eingeladen und er bringt zwei Geschenke mit, die die weitere Handlung entscheidend beeinflussen: eine Schenkung und ein Testament, das die Marquise im Fall seines Todes zu seiner Alleinerbin macht. So wird nach dem Verlauf eines weiteren Jahres noch eine zweite, weitaus fröhlichere Hochzeit gefeiert und alle ziehen in wiederhergestellter familiärer Ordnung auf das Landgut der Marquise. Der Graf wird nun endgültig als Ehemann der Marquise und Kindsvater integriert. Der Mangel der Marquise ist behoben, sie hat einen Partner, das Kind einen Vater, die Eltern der Marquise einen Schwiegersohn, durch den der gesellschaftliche Rang der Marquise sich zudem noch von dem der Marquise zur Gräfin verbessert.
Für den Wiedereintritt in die Gesellschaft als Ehefrau und Mutter bezahlt die Marquise einen hohen Preis.Die Marquise ist für beide Figuren eine „Ware“. Sowohl der Obrist als auch der Graf erhoffen sich durch ihren Handel an und mit der Ware Frau einen persönlichen Vorteil. Auch ist es abwegig von einem glücklichen Schluss zu sprechen sowie anzunehmen dass das Nichtwissen des Zustandekommens der Schwangerschaft sie von der Familienschande entbindet. Die Vergewaltigung wird letztendlich unter den Teppich gekehrt. Die Novelle spiegelt die soziale Realität und ihre sexuellen familiären Strukturen wieder.
Kleist kritisiert in dieser Novelle die Doppelmoral der bürgerlichen Gesellschaft, die ihren eigenen Ansprüchen von Sitte und Anstand nicht gerecht wird.
Zur Taufe wird der Graf aufgrund seines guten Betragens eingeladen und er bringt zwei Geschenke mit, die die weitere Handlung entscheidend beeinflussen: eine Schenkung und ein Testament, das die Marquise im Fall seines Todes zu seiner Alleinerbin macht. So wird nach dem Verlauf eines weiteren Jahres noch eine zweite, weitaus fröhlichere Hochzeit gefeiert und alle ziehen in wiederhergestellter familiärer Ordnung auf das Landgut der Marquise. Der Graf wird nun endgültig als Ehemann der Marquise und Kindsvater integriert. Der Mangel der Marquise ist behoben, sie hat einen Partner, das Kind einen Vater, die Eltern der Marquise einen Schwiegersohn, durch den der gesellschaftliche Rang der Marquise sich zudem noch von dem der Marquise zur Gräfin verbessert.
Für den Wiedereintritt in die Gesellschaft als Ehefrau und Mutter bezahlt die Marquise einen hohen Preis.Die Marquise ist für beide Figuren eine „Ware“. Sowohl der Obrist als auch der Graf erhoffen sich durch ihren Handel an und mit der Ware Frau einen persönlichen Vorteil. Auch ist es abwegig von einem glücklichen Schluss zu sprechen sowie anzunehmen dass das Nichtwissen des Zustandekommens der Schwangerschaft sie von der Familienschande entbindet. Die Vergewaltigung wird letztendlich unter den Teppich gekehrt. Die Novelle spiegelt die soziale Realität und ihre sexuellen familiären Strukturen wieder.
Zuletzt bearbeitet von Peppi2401 am 22.02.2021 um 23:09 Uhr
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